Neuartige Lebensmittel: Novel Food

Sibylle Meixner (CVUA Karlsruhe)

 

Unter "neuartigen Lebensmitteln" versteht man bestimmte Lebensmittel, die bisher noch nicht im nennenswerten Umfang in der Europäischen Union für den menschlichen Verzehr verwendet wurden.

Bei den sogenannten „neuartigen Lebensmitteln“ oder „Novel Food“ handelt es sich um Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die vor dem 15. Mai 1997 in der Europäischen Gemeinschaft noch nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden. Die Regelungen in der Verordnung über neuartige Lebensmittel (Verordnung (EG) Nr. 258/97 vom 27. Januar 1997) dienen dem Konsumenten als Schutz, indem neue Lebensmittel vor ihrer Zulassung eine Sicherheitsbewertung durchlaufen müssen.

Als neuartige Lebensmittel gelten:

  • Lebensmittel und Lebensmittelzutaten mit neuer oder gezielt modifizierter primärer Molekularstruktur;
  • Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die aus Mikroorganismen, Pilzen oder Algen bestehen oder aus diesen isoliert worden sind;
  • Pflanzliche Lebensmittel und aus Pflanzen oder Tieren isolierte Lebensmittelzutaten außer solchen, die mit herkömmlichen Vermehrungs- oder Zuchtmethoden gewonnen wurden und die erfahrungsgemäß unbedenklich sind;
  • Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, bei deren Herstellung ein nicht übliches Verfahren angewandt worden , was eine bedeutende Veränderung ihrer Zusammensetzung oder der Struktur bewirkt hat, was sich auf Nährwert, Stoffwechsel oder auf die Menge unerwünschter Stoffe im Lebensmittel auswirkt.

 

Für bestimmte neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten, die den bestehenden im Wesentlichen gleichwertig sind, kann von einem vereinfachten Verfahren Gebrauch gemacht werden. Dabei genügt es, beim BVL unter Vorlage geeigneter Daten eine Prüfung auf Gleichwertigkeit zu beantragen. Diese ist gegeben, wenn das betreffende Produkt hinsichtlich seiner Zusammensetzung, seines Nährwertes, seines Stoffwechsels, seines Verwendungszweckes und seines Gehalts an unerwünschten Stoffen den bestehenden Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten im Wesentlichen gleichwertig ist.

Nähere Angaben zum Antragsverfahren siehe unter http://www.bvl.bund.de/

Der Antrag auf Zulassung ist für den Hersteller oder Importeur mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Daher versuchen Betroffene oft nachzuweisen, dass ihr Produkt bereits vor 1997 in der EU als Lebensmittel im Verkehr war. Häufig werden jedoch Unterlagen vorgelegt, die auf den ersten Blick nach offiziellen Dokumenten aus anderen Mitgliedsstaaten aussehen, sich aber bei genauer Überprüfung - u.a. durch Nachfrage bei den zuständigen Behörden des entsprechenden Mitgliedsstaates - als nicht aussagekräftig erweisen, weil es sich z.B. um Gutachten privater Dienstleister ohne offiziellen Charakter handelt. Die Notwendigkeit einer derartigen Zulassung neuartiger Lebensmittel zeigen immer wieder Fälle, bei denen die Zulassung als neuartige Lebensmittel aufgrund toxikologischer Bedenken versagt wurde.

 

 

Bericht erschienen am 18.08.2008 13:54:34